Zwei Katzen zusammenführen – Vorbereitung, Schritte, Probleme
Du überlegst, eine Zweitkatze zu Deiner Samtpfote zu holen? Das ist eine wunderbare Entscheidung! Katzen können sich gegenseitig Gesellschaft leisten, zusammen spielen und sich gegenseitig putzen. Doch Vorsicht: Die Art und Weise, wie Du zwei Katzen zusammenführst, entscheidet oft über Erfolg oder Misserfolg!
Der häufigste und schwerwiegendste Fehler: Die neue Katze einfach ins Territorium der alten Katze zu setzen und zu hoffen, dass sie sich schon „vertragen werden". Das Resultat sind meist Stress, Angst, Aggression – und im schlimmsten Fall eine dauerhaft gestörte Beziehung zwischen den beiden Katzen.
Die gute Nachricht: Mit der richtigen Methode klappt die Zusammenführung in den meisten Fällen problemlos! In diesem umfassenden Ratgeber erfährst Du Schritt für Schritt, wie Du zwei Katzen richtig zusammenführst – von der Vorbereitung über den schrittweisen Prozess bis hin zu typischen Problemen und deren Lösungen. Am Ende dieses Artikels weißt Du genau, wie Du vorgehen musst, damit Deine Katzen friedlich zusammenleben können.
Darum brauchen Katzen eine schrittweise Zusammenführung
Warum kann man Katzen nicht einfach direkt zusammensetzen? Die Antwort liegt in ihrer Natur: Katzen sind territoriale Tiere. Ihr Revier ist ihnen heilig – es ist ihr sicherer Rückzugsort, ihr Jagdgebiet, ihr Zuhause. Wenn plötzlich eine fremde Katze in diesem Territorium auftaucht, ist das aus Katzensicht eine Bedrohung.
Die ansässige Katze fühlt sich bedroht und muss ihr Territorium verteidigen. Die neue Katze hingegen befindet sich in einer völlig fremden Umgebung, riecht überall den Geruch der anderen Katze und hat keinen Rückzugsort. Stress pur für beide Seiten!
Eine falsche Zusammenführung kann:
- Dauerhaften Stress für beide Katzen verursachen
- Aggressive Verhaltensweisen manifestieren
- Die Beziehung für immer negativ prägen
- Zu Unsauberkeit führen (Markieren, Urinieren außerhalb des Klos)
- Verhaltensprobleme wie übermäßiges Verstecken, Futterverweigerung oder Aggression auslösen
Die gute Nachricht: Mit einem schrittweisen, geduldigen Vorgehen lassen sich diese Probleme vermeiden!
Das Wichtigste bei der Zusammenführung von Katzen ist Geduld. Auch wenn es verlockend ist, den Prozess zu beschleunigen – Katzen brauchen Zeit, um sich aneinander zu gewöhnen. Lieber eine Woche länger als zu schnell vorgehen und alles zu ruinieren. Die Zeit, die Du jetzt investierst, zahlt sich durch ein harmonisches Zusammenleben für die nächsten Jahre aus!
Zeitrahmen und realistische Erwartungen
Eine der häufigsten Fragen: Wie lange dauert es eigentlich, bis zwei Katzen zusammengeführt sind? Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. Jede Katze ist anders, jede Konstellation ist einzigartig.
Typische Zeitrahmen:
- Minimum: Einige Tage bei sehr gut harmonierenden, entspannten Katzen
- Normal: 2-4 Wochen bis zu einem friedlichen Zusammenleben
- Länger: Mehrere Monate in schwierigen Fällen oder bei besonders ängstlichen/territorialen Katzen
- Kritische Marke: Nach 4-6 Wochen sollte erkennbarer Fortschritt da sein
Wichtig zu verstehen: Diese Zeitangaben sind Richtwerte, keine festen Regeln! Manche Katzen werden bereits nach einer Woche die besten Freunde, andere brauchen Monate, bis sie sich akzeptieren. Lieber zu langsam als zu schnell! Ein zu schnelles Vorgehen kann den gesamten Prozess zunichtemachen und erfordert dann einen kompletten Neustart.
Unsere Erfahrung mit Kiki und Bella
Wir haben unsere beiden Katzen Kiki (damals 4 Jahre) und Bella (damals 6 Monate) vor einiger Zeit zusammengeführt und möchten Dir von unseren Erfahrungen berichten:
Die ersten Tage: Bella kam neu zu uns und hat die erste Zeit im Gästezimmer verbracht, um sich erst einmal an uns zu gewöhnen. Wir haben Decken und Handtücher zwischen den beiden getauscht, damit sie sich an die Gerüche gewöhnen. Bella war sehr interessiert an Kikis Handtuch und hat viel daran geschnüffelt. Kiki hingegen hat das Handtuch mit Bellas Geruch anfangs komplett gemieden – sie wollte davon nichts wissen!
Nach einer Woche: Wir haben ein Fliegengitter an der Tür des Gästezimmers angebracht, damit sich die beiden auch mal sehen können. Kiki hat hier zu Beginn viel gefaucht und war nicht sehr „offen" für eine neue Katze. Das war zwar entmutigend, aber wir haben ihr die Zeit gegeben, die sie brauchte.
Die ersten direkten Kontakte: Nach ein paar weiteren Tagen haben wir beide im obersten Stockwerk etwas frei laufen lassen, um zu sehen, wie sie miteinander umgehen. Bella wollte sofort mehr Kontakt, während Kiki eher „geflüchtet" ist. Nach ein paar weiteren Tagen haben wir es gewagt und Bella frei im ganzen Haus umherlaufen lassen.
Das Ergebnis heute: Insgesamt hat die Zusammenführung etwa 2 Wochen gedauert und gut geklappt! Es kommt hin und wieder zu Gerangel, weil Bella mehr Kontakt zu Kiki möchte als umgekehrt. Kiki versteht manche Spielversuche von Bella anscheinend als Angriff und wehrt sich dann. Aber das ist normal bei so unterschiedlichen Charakteren und Altersklassen.
Heute schlafen die beiden abends sehr häufig gemeinsam bei uns im Bett und sind insgesamt – abgesehen vom gelegentlichen Gerangel – sehr friedlich miteinander. Dafür, dass eine ältere Katze (4 Jahre) und eine sehr junge, energiegeladene Katze (6 Monate) zusammenkamen, sind wir sehr zufrieden mit dem Ergebnis!
So bereitest du alles vor
Die Vorbereitung ist entscheidend für den Erfolg! Bevor die neue Katze überhaupt einzieht, solltest Du alles vorbereitet haben.
Die richtige Zweitkatze wählen
Nicht jede Katze passt zu jeder anderen Katze. Bei der Wahl der Zweitkatze solltest Du einige Faktoren beachten:
Ähnliche Charaktere: Idealerweise haben beide Katzen einen ähnlichen Charakter. Eine sehr aktive, verspielte Katze mit einer ruhigen, zurückgezogenen Katze zusammenzuführen, kann schwierig sein – auch wenn es natürlich Ausnahmen gibt.
Ähnliches Energielevel: Eine junge, hyperaktive Katze kann eine alte, ruhige Katze nerven. Umgekehrt kann eine gemütliche Senior-Katze mit einem Kitten, das ständig spielen will, überfordert sein.
Alter: Oft funktioniert die Zusammenführung eines Kittens (unter 1 Jahr) mit einer erwachsenen Katze gut, da das Kitten als weniger bedrohlich wahrgenommen wird. Zwei erwachsene Katzen zusammenzuführen ist oft schwieriger, aber absolut möglich!
Geschlecht: Grundsätzlich ist das Geschlecht weniger wichtig als der Charakter – vorausgesetzt, beide Katzen sind kastriert! Unkastrierte Katzen können deutlich territorialer und aggressiver sein.
Ausstattung besorgen
Die neue Katze braucht komplett eigene Ausstattung – zumindest am Anfang!
Eigenes Zimmer: Die neue Katze sollte anfangs ein eigenes Zimmer haben, in dem sie sich eingewöhnen kann. Idealerweise ist das ein Raum, den Deine erste Katze selten oder nie nutzt (z.B. Gästezimmer, Arbeitszimmer). So ist der Raum für die neue Katze weniger nach der alten Katze „besetzt".
Eigene Grundausstattung:
- Eigenes Katzenklo (sehr wichtig!)
- Eigene Futter- und Wassernäpfe
- Eigener Kratzbaum oder Kratzmöglichkeiten
- Eigenes Körbchen/Schlafplatz
- Eigenes Spielzeug
Die goldene Katzenklo-Regel: Du solltest immer ein Katzenklo MEHR haben als die Anzahl der Katzen im Haushalt! Bei zwei Katzen also mindestens drei Katzenklos. Das reduziert Konflikte und Unsauberkeit erheblich.
Wohnung vorbereiten
Bereite Deine Wohnung auf die Zusammenführung vor:
- Tür mit Gitter: Optional, aber sehr hilfreich: Besorge ein Babygitter oder Katzengitter, das Du später in die Tür einsetzen kannst. So können sich die Katzen sehen, aber nicht direkt Kontakt haben.
- Rückzugsmöglichkeiten: Schaffe in verschiedenen Räumen Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten (Kartons, Höhlen, etc.)
- Erhöhte Plätze: Katzen fühlen sich auf erhöhten Plätzen sicherer. Regale, Kratzbäume mit Plattformen, Fensterbänke – je mehr vertikaler Raum, desto besser!
- Mehrere Ressourcen-Standorte: Verteile Futter-, Wasser- und Toiletten-Standorte in der Wohnung, damit keine Katze den Zugang blockieren kann
Checkliste: Vorbereitung Zweitkatze
- Eigenes Zimmer für neue Katze vorbereitet
- Eigenes Katzenklo für neue Katze besorgt
- Mindestens 3 Katzenklos insgesamt (2 Katzen = 3 Klos!)
- Eigene Futter- und Wassernäpfe besorgt
- Eigener Kratzbaum/Kratzmöglichkeiten vorhanden
- Eigenes Körbchen/Schlafplatz eingerichtet
- Babygitter/Katzengitter besorgt (optional)
- Rückzugsmöglichkeiten in mehreren Räumen geschaffen
- Erhöhte Plätze vorhanden (Regale, Kratzbäume)
So führst du Katzen richtig zusammen
Jetzt kommt der wichtigste Teil: Der schrittweise Prozess der Zusammenführung. Dieser läuft in vier Phasen ab, die Du auf keinen Fall überspringen solltest!
Phase 1: Trennung und Duftaustausch (Tag 1-7)
Tag 1 – Der erste Tag:
Die neue Katze kommt direkt in ihr vorbereitetes Zimmer. Kein direkter Kontakt zur alten Katze! Die neue Katze soll sich erst einmal in Ruhe an die neue Umgebung, an Dich und Deine Familie gewöhnen. Deine erste Katze wird riechen, dass etwas anders ist – das ist völlig normal und in Ordnung.
Tag 2-3 – Duftaustausch beginnen:
Jetzt beginnt die wichtigste Phase: Der Duftaustausch! Katzen kommunizieren primär über Gerüche, deshalb ist es so wichtig, dass sie sich zuerst „erschnuppern".
So gehst Du vor:
- Reibe Deine alte Katze sanft mit einem weichen Tuch ab (besonders an den Wangen und am Kinn – dort befinden sich Duftdrüsen)
- Lege dieses Tuch ins Zimmer oder ins Bett der neuen Katze
- Mache das Gleiche umgekehrt: Tuch von neuer Katze zu alter Katze
- Alternativ: Tausche Decken, Kissen oder Spielzeuge zwischen den Räumen
Wichtig: Steigere den Duftaustausch langsam! Am ersten Tag nur für ein paar Minuten, dann immer länger. Beobachte die Reaktionen: Wenn eine Katze sehr gestresst reagiert, gehe langsamer vor.
Tag 4-7 – Raumtausch und intensiverer Duftaustausch:
Jetzt wird es interessanter: Der Raumtausch. Lasse die neue Katze (unter Deiner Aufsicht!) die Wohnung erkunden, während die alte Katze draußen ist oder in einem anderen Raum wartet. Danach kann die alte Katze das Zimmer der neuen erkunden. So gewöhnen sich beide an die Gerüche im gesamten Territorium.
Parallel dazu: Intensiviere den Duftaustausch weiter. Eine weitere gute Methode: Füttern an beiden Seiten der Tür (anfangs mit Abstand, dann immer näher). So verbinden beide Katzen den Geruch der anderen mit etwas Positivem (Futter!).
Phase 2: Visueller Kontakt (Tag 7-14)
Voraussetzung: Beide Katzen sollten entspannt sein, normal fressen und sich normal verhalten. Wenn eine Katze extrem gestresst ist, gib ihr mehr Zeit in Phase 1!
In dieser Phase können sich die Katzen zum ersten Mal sehen – aber noch nicht direkt Kontakt haben.
Umsetzung:
- Setze ein Babygitter oder Katzengitter in die Tür ein
- Alternativ: Öffne die Tür einen kleinen Spalt (mit Türstopper)
- Die Katzen können sich nun sehen und durch das Gitter schnuppern
- Jede Katze kann selbst entscheiden, wie nah sie kommen möchte
Aktivitäten in dieser Phase:
- Füttern auf beiden Seiten des Gitters (erst mit größerem Abstand, dann immer näher)
- Gemeinsames Spielen (getrennt durch Gitter) – nutze Spielzeug, das beide interessiert
- Leckerlis geben, wenn beide entspannt am Gitter sind
Dauer: Diese Phase kann mehrere Tage bis zu 2 Wochen dauern. Wichtig ist: Gehe erst zur nächsten Phase über, wenn beide Katzen entspannt am Gitter sind! Kein Fauchen mehr, keine Anspannung, keine aufgestellten Haare.
Phase 3: Erste direkte Begegnungen (Ab Woche 2-3)
Jetzt wird es spannend: Die erste direkte Begegnung!
Vorbereitung:
- Wähle einen neutralen Raum – nicht das Hauptterritorium Deiner alten Katze (z.B. Flur, Gästezimmer, ein Raum, den beide selten nutzen)
- Sorge für viele Rückzugsmöglichkeiten: Verstecke, Kartons, erhöhte Plätze
- Halte Spielzeug und Leckerlis bereit, um positive Erlebnisse zu schaffen
Die erste Begegnung:
- Lasse beide Katzen gleichzeitig in den Raum
- Du bleibst anwesend, aber ruhig und entspannt
- Nicht eingreifen, außer bei wirklich ernster Gefahr!
Normales Verhalten (nicht eingreifen!):
- Fauchen und Knurren = völlig OK! Die Hierarchie wird geklärt
- Sich anstarren = OK
- Vorsichtiges Beschnuppern = super!
- Eine Katze zieht sich zurück = OK, das ist ihr Recht
Abbrechen solltest Du nur bei:
- Ernsthaften Angriffen mit Verletzungsgefahr (Krallen ausgefahren, echte Kämpfe)
- Extremer Angst einer Katze (wenn sie auf sich uriniert = gescheitert, sofort abbrechen!)
Dauer der ersten Begegnung: Halte die erste Begegnung kurz – 10-15 Minuten reichen! Beende sie positiv (mit Spiel oder Leckerlis für beide) und trenne die Katzen dann wieder.
Wiederholung: Wiederhole diese kurzen Begegnungen mehrmals täglich. Steigere die Dauer langsam. Immer unter Aufsicht!
Phase 4: Integration (Ab Woche 3-6)
Wenn die direkten Begegnungen entspannt verlaufen, kannst Du zur finalen Integration übergehen.
Wenn es gut läuft:
- Die Katzen ignorieren sich weitgehend oder sind neugierig aufeinander
- Kein dauerhaftes Fauchen mehr
- Entspannte Körpersprache (keine aufgestellten Haare, normale Pupillen)
→ Dann kannst Du die Türen tagsüber offen lassen (anfangs noch unter Deiner Aufsicht).
Nachts: Trenne die Katzen anfangs noch nachts. Erst wenn tagsüber alles friedlich verläuft, kannst Du sie auch nachts zusammen lassen.
Vollständige Integration bedeutet:
- Die Katzen teilen sich den Raum
- Sie liegen im gleichen Raum (müssen nicht zusammen liegen!)
- Sie fressen entspannt (auch wenn nicht aus dem gleichen Napf)
- Vielleicht spielen sie sogar miteinander (Bonus!)
Wichtig zu verstehen: Das Ziel ist NICHT, dass die Katzen beste Freunde werden (das ist ein schöner Bonus, aber nicht nötig). Das Ziel ist friedliche Akzeptanz und stressfreies Zusammenleben!
Phase | Zeitraum | Aktivitäten | Ziel |
|---|---|---|---|
Phase 1 | Tag 1-7 | Trennung, Duftaustausch, Raumtausch, Füttern an Tür | Geruchsgewöhnung |
Phase 2 | Tag 7-14 | Visueller Kontakt durch Gitter, Füttern am Gitter, gemeinsames Spielen | Entspannte visuelle Begegnungen |
Phase 3 | Woche 2-3 | Erste direkte Begegnungen in neutralem Raum, mehrmals täglich, kurz | Erste friedliche Direktkontakte |
Phase 4 | Ab Woche 3-6 | Integration, Türen offen (unter Aufsicht), später auch nachts zusammen | Friedliches Zusammenleben |
Diese 7 Fehler ruinieren die Zusammenführung
Auch mit den besten Absichten können Fehler passieren. Hier sind die sieben häufigsten Fehler – und wie Du sie vermeidest:
1. Zu schnell vorgehen
Das ist mit Abstand der häufigste Fehler! Phasen überspringen, keine Geduld haben, denken „die gewöhnen sich schon". Das Resultat: Die Katzen entwickeln negative Assoziationen zueinander, die nur schwer wieder zu beheben sind.
2. Direktes Zusammenführen ohne Vorbereitung
Die neue Katze einfach ins Territorium der alten Katze zu setzen ist der größte Fehler überhaupt! Das verursacht extremen Stress und Angst bei beiden Katzen und kann die Beziehung dauerhaft negativ prägen.
3. Partei ergreifen
Eine Katze bevorzugen, beschützen oder mehr Aufmerksamkeit schenken erzeugt Eifersucht und Frustration. Behandle beide Katzen gleich! Streichelst Du die eine, streichle danach auch die andere.
4. Katze aus Versteck ziehen
Lass Deine Katzen ihr eigenes Tempo bestimmen! Wenn sich eine Katze versteckt, ist das ihr Recht. Das Versteck gibt ihr Sicherheit. Zwinge sie niemals zum Kontakt.
5. Bei jedem Fauchen eingreifen
Fauchen und Knurren gehören zur Kommunikation dazu! Die Hierarchie muss geklärt werden, und das ist manchmal etwas laut. Nur bei echter Verletzungsgefahr solltest Du eingreifen.
6. Zu wenig Ressourcen
Zu wenig Katzenklos, zu wenig Futter-/Wasserstellen, zu wenig Rückzugsorte – das führt zu Konflikten! Denk dran: Ein Katzenklo mehr als Anzahl der Katzen, mehrere Futterplätze, genug Rückzugsmöglichkeiten.
7. Keine Rückzugsmöglichkeiten
Katzen brauchen Ausweichmöglichkeiten! Wenn eine Katze der anderen ausweichen möchte, muss sie das können. Erhöhte Plätze sind hier Gold wert – eine Katze kann oben, die andere unten sein.
1. Zu schnell vorgehen
2. Direkt zusammensetzen ohne Vorbereitung
3. Eine Katze bevorzugen
4. Katze aus Versteck zwingen
5. Bei normalem Fauchen eingreifen
6. Zu wenig Katzenklos/Ressourcen
7. Keine Rückzugsmöglichkeiten bieten
Diese Fehler können den gesamten Prozess zunichtemachen und die Beziehung dauerhaft schädigen!
Wenn es nicht klappt – Probleme lösen
Nicht immer läuft alles glatt. Hier sind die häufigsten Probleme – und wie Du sie löst:
Problem 1: Katze frisst nicht oder versteckt sich dauerhaft
Diagnose: In den ersten 2-3 Tagen ist das völlig normal! Die neue Katze ist gestresst und braucht Zeit.
Lösung:
- Gib der Katze Zeit, dränge sie nicht
- Stelle Futter und Wasser in die Nähe ihres Verstecks
- Setze Dich ruhig in den Raum, ohne die Katze zu bedrängen
- Wichtig: Wenn nach 3-4 Tagen keine Besserung eintritt oder die Katze gar nichts frisst, gehe zum Tierarzt!
Problem 2: Dauerhaftes Fauchen und Knurren (nach mehreren Wochen)
Diagnose: Das ist ein Zeichen, dass Du zu schnell vorgegangen bist.
Lösung:
- Gehe einen Schritt zurück! Trenne die Katzen wieder
- Starte nochmal mit Phase 1 (Duftaustausch)
- Nimm Dir mehr Zeit bei jeder Phase
- Achte auf positive Verstärkung (Leckerlis bei Ruhe)
Problem 3: Ernsthafte Kämpfe mit Verletzungen
Diagnose: Echte Aggression, nicht nur Hierarchie-Klärung.
Lösung:
- Sofort trennen!
- Zurück zu Phase 1
- Evt. ist das Charakter-Match nicht passend
- Wenn es auch nach erneutem Versuch nicht klappt: Professionelle Hilfe (Verhaltensberater) holen
Problem 4: Eine Katze markiert oder uriniert außerhalb des Klos
Diagnose: Zeichen von Stress und territorialem Verhalten.
Lösung:
- Stelle mehr Katzenklos auf (Minimum: Anzahl Katzen + 1)
- Vergrößere das Territorium (mehr Räume verfügbar machen)
- Nutze Pheromon-Stecker (Feliway) zur Beruhigung
- Gehe beim Zusammenführungsprozess einen Schritt zurück
- Reinige markierte Stellen gründlich mit Enzymreiniger
Problem 5: Nach 4-6 Wochen keine Besserung
Diagnose: Kritischer Punkt! Dauerndes Anstarren, Drohen, Jagen auch nach Wochen.
Lösung:
- Hole professionelle Hilfe: Katzenverhaltensberater oder Tierarzt mit Verhaltensexpertise
- Evt. sind die Katzen charakterlich nicht kompatibel
- Letzter Ausweg: Für eine der Katzen ein neues Zuhause suchen (schwere Entscheidung, aber manchmal nötig für das Wohl beider Tiere)
- Nach 4-6 Wochen keine erkennbare Verbesserung
- Ernsthafte Kämpfe mit Verletzungen
- Eine Katze frisst dauerhaft nicht oder zeigt extremen Stress
- Unsauberkeit über Wochen trotz Maßnahmen
- Du fühlst Dich überfordert
Ein Katzenverhaltensberater kann individuell auf Deine Situation eingehen und oft Lösungen finden, wo Du keine mehr siehst!
Daran erkennst du, dass es funktioniert
Woher weißt Du, dass die Zusammenführung erfolgreich ist? Hier sind die positiven Zeichen:
Gute Anzeichen für erfolgreiche Zusammenführung:
- Katzen liegen im gleichen Raum (auch wenn nicht direkt nebeneinander – das reicht völlig!)
- Neugieriges Beschnuppern statt Fauchen
- Entspannte Körpersprache: Keine aufgestellten Haare, keine extrem großen Pupillen, keine angelegten Ohren
- Gemeinsames Spielen (das ist ein großes Plus, aber nicht nötig für Erfolg!)
- Fressen im gleichen Raum möglich (auch wenn nicht aus dem gleichen Napf)
- Gegenseitige Körperpflege (Jackpot! Aber auch das ist nicht nötig – nur ein schöner Bonus)
- Gemeinsam schlafen (ebenfalls ein Bonus, kein Muss)
Wichtig zu verstehen: Das Ziel ist Akzeptanz, nicht zwingend innige Freundschaft! Es ist völlig in Ordnung, wenn Deine beiden Katzen sich tolerieren, im gleichen Raum sind und sich ignorieren. Das ist bereits ein Erfolg!
Wenn sie zusätzlich miteinander spielen, sich putzen oder zusammen schlafen – umso besser! Aber das kann man nicht erzwingen.
Sonderfälle bei der Zusammenführung
Kitten zu erwachsener Katze
Das ist oft einfacher als zwei erwachsene Katzen zusammenzuführen! Ein Kitten (unter 1 Jahr) wird von erwachsenen Katzen meist als weniger bedrohlich wahrgenommen. Außerdem sind Kitten in der Regel sehr sozial und anpassungsfähig.
Achtung: Ein Kitten kann mit seiner Energie eine ältere, ruhige Katze nerven! Die erwachsene Katze braucht dann Rückzugsorte, wo das Kitten nicht hinkommt (z.B. erhöhte Plätze, die das Kitten noch nicht erreichen kann).
Zwei erwachsene Katzen
Das ist oft schwieriger, da erwachsene Katzen (ab ca. 2 Jahren) bereits feste Charaktere und Territorien haben. Territoriales Verhalten ist stärker ausgeprägt.
Tipp: Plane mehr Zeit ein! Bei zwei erwachsenen Katzen können auch 6-8 Wochen völlig normal sein.
Mehrere Katzen
Wenn Du bereits mehrere Katzen hast und eine neue dazu kommt: Die neue Katze muss zu ALLEN einzeln eingeführt werden! Das dauert länger, ist aber wichtig.
Idealerweise führst Du die neue Katze nacheinander zu den einzelnen Katzen ein, nicht zu allen auf einmal.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Fazit: Mit Geduld zum Erfolg
Die Zusammenführung zweier Katzen ist kein Hexenwerk – aber sie erfordert Zeit, Geduld und das richtige Vorgehen. Der wichtigste Punkt: Niemals überstürzen! Lieber eine Woche länger in jeder Phase bleiben, als zu schnell vorzugehen und alles zu ruinieren.
Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
- Schrittweiser Prozess ist entscheidend: 4 Phasen (Trennung/Duftaustausch → Visueller Kontakt → Direkte Begegnungen → Integration)
- Typischer Zeitrahmen: 2-4 Wochen, kann aber auch länger dauern
- Wichtigste Regel: Niemals direkt zusammensetzen ohne Vorbereitung!
- Ausstattung: Eigene Ressourcen für jede Katze, mindestens ein Katzenklo mehr als Anzahl Katzen
- Häufigste Fehler vermeiden: Zu schnell vorgehen, Partei ergreifen, bei normalem Fauchen eingreifen
- Bei Problemen: Einen Schritt zurück gehen oder professionelle Hilfe holen
- Ziel: Friedliche Akzeptanz und stressfreies Zusammenleben – nicht zwingend beste Freundschaft!
Mit dem richtigen Vorgehen und etwas Geduld steht einem harmonischen Zusammenleben Deiner Katzen nichts im Weg. Die Zeit, die Du jetzt investierst, zahlt sich durch Jahre des friedlichen Miteinanders aus. Es lohnt sich!
Empfohlene Produkte für die Zusammenführung
Diese Produkte können Dir bei der Zusammenführung Deiner Katzen helfen:
Zusätzliche Katzenklos
Die goldene Regel: Ein Katzenklo mehr als Anzahl der Katzen! Hochwertige Katzenklos mit hohem Rand verhindern Streu-Verstreuung und geben den Katzen Privatsphäre.
Babygitter / Katzengitter für Türen
Ideal für Phase 2 (visueller Kontakt)! Die Katzen können sich sehen und beschnuppern, aber nicht direkt Kontakt haben. Verstellbare Gitter passen in fast jede Tür.
Feliway Pheromon-Stecker
Beruhigende Pheromone können helfen, Stress zu reduzieren. Feliway gibt synthetische Wohlfühl-Pheromone ab und kann die Zusammenführung erleichtern. In die Steckdose stecken – fertig!
Mehrere Kratzbäume und Kratzmöbel
Jede Katze braucht Kratz- und Klettermöglichkeiten! Mehrere Kratzbäume in verschiedenen Räumen verhindern Konflikte und bieten Rückzugsmöglichkeiten auf verschiedenen Ebenen.
Separate Futter- und Wassernäpfe
Jede Katze sollte anfangs eigene Näpfe haben. Anti-Schling-Näpfe und erhöhte Futterstationen sind besonders praktisch und schonen die Nackenmuskulatur.
Katzenhöhlen und Verstecke
Rückzugsmöglichkeiten sind essentiell! Kuschelige Höhlen, Iglu-Betten oder Kartonhäuser geben beiden Katzen einen Ort, an dem sie sich sicher fühlen können.
Interaktives Spielzeug für gemeinsame Spielsessions
Gemeinsames Spielen schafft positive Erlebnisse! Katzenangeln, Federwedel oder Bälle eignen sich perfekt, um beide Katzen gleichzeitig zu beschäftigen und positive Assoziationen zu schaffen.
Bei gesundheitlichen Problemen oder anhaltenden Verhaltensproblemen Deiner Katzen konsultiere bitte immer einen Tierarzt oder Katzenverhaltensberater. Dieser Artikel ersetzt keine professionelle Beratung.
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